Propstei St. Gertrud

Gemeinde Propstei St. Gertrud
Wattenscheid

St. Gertrud


Unsere Freunde

Eines der wichtigsten Merkmale unserer Gemeinde ist es, dass die heilige Gertrud - Pfarr- und Stadtpatronin, wie wir sie häufig nennen - nicht einfach nur Namensgeberin für unsere Kirche ist und einmal im Jahr Anlass gibt ein Patronatsfest zu feiern, sondern dass sie für viele lebendig geworden ist. Sie hat uns über Grenzen hinweg zu einem Austausch mit anderen Gertrudisgemeinden geführt, hat geholfen Feindschaft und Trauer des 2. Weltkrieges zu überwinden und Freundschaft zu schließen.
Dies begann 1957, als der junge Berufsschulpfarrer Hermann Mikus zum Patronatsfest im März die Predigt halten sollte. Dazu musste er sich erst einmal das Buch "Die Gärtnerin von Brabant" von Gertrud Zender anschaffen, denn mit Gertrud von Nivelles war er zu dieser Zeit noch kaum vertraut. Eine Fußnote brachte ihn schließlich auf die Idee, den Ort ihres Lebens und Wirkens zu besuchen. Nivelles liegt in Belgien, etwas südlich von Brüssel, also durchaus erreichbar von Wattenscheid aus. Die Idee fand Anklang und so fuhren zu Ostern vier Geistliche im Auto des damaligen Propstes nach Nivelles.
Was sie dort sahen erschütterte sie sehr: die Stiftskirche im Stadtzentrum war zerstört. Auch der gotische Reliquienschrein war von deutschen Bomben 1940 getroffen worden. Trotzdem wurden die Wattenscheider von Michel Huyberechts, dem Dechanten der Stadt Nivelles sehr herzlich aufgenommen.
Im Herbst müssten sie wiederkommen, war seine Ansicht, um auch die Tour Sainte Gertrude kennenzulernen, wie sie jedes Jahr am 29. September oder dem Sonntag danach in Nivelles stattfindet. Ein riesiger Umzug mit einem etwa 15km langen Prozessionsweg führt in großem Bogen einmal um die ganze Stadt. Sechs starke Kaltblüter ziehen dabei den inzwischen neugestalteten Schrein der Heiligen auf einem Wagen. Diese Stadtumrundung ist eine Anlehnung an das, was auch Gertrud immer wieder gemacht haben soll: eine Flurbegehung, um die Ländereien des Klosters in Augenschein zu nehmen.
Auch die Berichte über die erste Teilnahme der Wattenscheider an der Tour im Jahre 1957 sind legendär. Man war nicht wirklich vorbereitet für einen Marsch durch Feld und Wald bei schlechtem Wetter.
Seit 1957 fuhren jedes Jahr Pilger nach Nivelles und das nicht nur aus Wattenscheid: auch zu anderen Gertrudisgemeinden nahm man Kontakt auf und fuhr gemeinsam mit Gläubigen aus Essen oder Berlin dorthin. Zum Patronatsfest im März beherbergt Wattenscheid umgekehrt stets einige Besucher aus Nivelles, sodass der Austausch zwischen den beiden Gemeinden auf Gegenseitigkeit beruht. Die Verantwortung auf Wattenscheider Seite trägt dafür seit 1992 genauso wie in Nivelles ein Gertrudiskomitee.
"Pfarrfreundschaft" - so findet man die Beziehung zwischen Nivelles und Wattenscheid mancherorts betitelt. Sie wird immer unter dem Bekenntnis stehen "Sainte Gertrude a fait de nous des amis - Sankt Gertrud hat uns zu Freunden gemacht", wie es eine Gedenktafel in der Niveller Stiftskirche zur 40. Tourteilnahme der Wattenscheider formuliert.
Mehr zu diesem Thema findet sich auf der Homepage des Komitees (siehe Links).