Propstei St. Gertrud

Gemeinde Propstei St. Gertrud
Wattenscheid

St. Gertrud


Unsere Patronin

Die heilige Gertrud von Nivelles muss eine faszinierende Frau gewesen sein. Bereits als junges Mädchen eingenommen von Christus, sehnte sie die Aufnahme in das neugegründete Stift in Nivelles herbei und wirkte dort über Jahre als Äbtissin. Sie setzte sich unermüdlich ein für Arme, Reisende und eine bessere Bildung Klosterbewohner und der Bevölkerung. Ihre Eltern waren Pippin der Ältere und Iduberga von Nivelles. Gertrud kam vermutlich im Jahr 626 auf dem Familiensitz in Nivelles zur Welt. Während sie große Teile ihrer Kindheit in Orleans verbrachte und dort gemeinsam mit dem fränkischen Königssohn Sigibert III. aufwuchs, kehrte die Familie als Gertrud weiter heranwuchs nach Nivelles zurück. Ein Jahr darauf starb ihr Vater Pippin. Die Mutter Iduberga wandelte den Familienbesitz in ein Kloster um, in das sie selbst und nach Erreichen ihrer Volljährigkeit auch Gertrud eintrat. Der Tag ihrer Weihe beherbergte für Gertrud jedoch noch eine Überraschung: ihre Mutter übertrug ihr das Amt der Äbtissin.
So musste sie sich ganz neuen Aufgaben stellen. Zuerst sollte das Kloster zum Doppelkloster ausgeweitet werden. Um eine gute Ausbildung neuer Mönche zu gewährleisten, suchte sie Kontakt zu einem irischen Kloster, das einige Mönche nach Nivelles entsandte und mit dem sie Zeit ihres Lebens in Verbindung stand.
Sie war eine überaus gelehrte Frau, die schon in ihrer Jugend Unterricht erteilt hatte. Nun hatte sie ein besonders wachsames Auge auf die Schule ihres Klosters und schickte sogar einige Mönche nach Rom, um neue Bücher für die Bibliothek zu erwerben.
Häufig aber ging sie auch den alltäglichen Aufgaben der Nonnen nach, die verschiedene Handarbeiten ausführten, oder übte sich in Demut beim Verrichten niederer Dienste. Ihre besondere Fürsorge galt nicht nur den Armen ihrer Gemeinde, sondern vor allem den Reisenden. Für sie richtete sie auf dem Klostergelände eine erste Herberge ein und empfing sie nicht selten persönlich.
Verschiedene Wundergeschichten berichtet man von ihr, auf die auch die Zeichen zurückzuführen sind, die unwiderruflich mit ihr verbunden sind: Schiff und Maus. Der Austausch mit dem irischen Kloster hatte zur Folge, dass sich immer wieder Mönche auf der Seereise zwischen Irland und dem europäischen Festlandes befanden. Einmal gerieten sie in einen Sturm und wurden von einem Seeungeheuer bedroht. Sie riefen Gertrud um Hilfe an, denn sie hatte ihnen eine sichere Reise versprochen. Diese hörte auf wundersame Weise den Hilferuf und betet zu Gott. Das Ungeheuer verschwand, der Sturm legte sich und die Mönche gelangten sicher an ihr Ziel. Ebenso soll die heilige Gertrud durch ihr intensives Gebet Nivelles und die ganze Umgebung von einer Mäuse- und Rattenplage befreit haben.
Kurz vor ihrem Tod gab Gertrud den Äbtissinnenstab an ihre Nichte Wulfetrud weiter. Sie selbst starb bereits früh im Alter von 33 Jahren. Am 17. März 659 entschlief sie im Kreis der Nonnen und Mönche.
Die Rettung der Mönche aus Seenot lies sie zur Patronin der Seefahrer und Reisenden werden. Vor allem gegen Ende des Mittelalters war sie eine beliebte Patronin für Spitäler. Sie gilt zuweilen auch als Patronin für die Reise ins Jenseits. Des Weiteren ist sie Helferin gegen Mäuse- und Rattenplagen. Durch ihr Todesdatum den 17. März wurde sie in Verbindung gebracht mit dem Beginn der Feldarbeit und gilt als Frühjahrsbotin.
Die Krone, die ihr im ehemaligen Wattenscheider Stadtsiegel beigegeben ist, kann verschieden aufgefasst werden. Als Jungfrauenkrone ist sie Zeichen ihrer Jungfräulichkeit und Zugehörigkeit zu Christus, sie kann aber auch ein Zeichen ihrer Herkunft sein. Sie entstammt dem Geschlecht der Karolinger, das zu ihren Lebzeiten noch im Dienst der merowingischen Könige stand. So war ihr Vater Hausmeier des Königs Dagobert I. Einige Zeit später übernahmen die Karolinger selbst die, weshalb man gelegentlich auf die Aussage stößt, Gertrud sei von königlichem Geschlecht. Sie war Ururgroßtante Kaiser Karls des Großen.